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Friedrich Kröhnke
Die Tschechen sind anscheinend ein lebens- und liebeslustiges Volk; kein Wunder also, dass Friedrich Kröhnke dort sein Glück sucht. Nachts bringt er heimlich seine Möbel über die Grenze, in Berlin einen Berg Schulden
zurücklassend, er findet eine Wohnung und verliebt sich in Land und Leute. Aber sein Aufenthalt in „Gottes eigenem Land“ ist ebenfalls nicht von Dauer,
das öffentliche Klima verschärft sich, und so heimlich, wie er eingetroffen war, verlässt er das Land und findet ein ruhiges Plätzchen an der Elbe,
nicht ohne Vaschek alias Vaclav Havel in Gedanken einen Brief zu schreiben, in dem er sein Bedauern über die Anpassung Tschechiens an das langweilige
Europa ausdrückt. Kröhnkes vogelfreies Leben scheint zeitweise fast die Verwirklichung alter Utopien zu sein, aber der Erzähler merkt auch, wie ihm
immer wieder die Angst in die Knochen kriecht. Die Nebenniere, die das Angsthormon ausschüttet, muss darunter leiden, ein Tumor zwingt Kröhnke
unters Messer; das Messer rutscht ab: die ganze Niere wird entfernt. Nachdem er dem Tod gefährlich nah gekommen ist, bekommt das Verhältnis zu
seinem Zwillingsbruder neue Bedeutung für ihn, und so ist es ein Glücksfall, dass der gerade ein Haus hinterm Deich bezugsfertig renoviert hat. Kröhnke
zieht ein und besucht mit dem Landbus die Jungs am Hamburger Hauptbahnhof.
„Ciao Vaschek“ ist ein abgeklärter Roman, sprachlich gerade durch den Verzicht auf Schnörkel sehr beeindruckend. „Bisines“ mit tschechischen Jungs
wird nur gestreift, im Mittelpunkt steht das Lebensgefühl dieses Einzelgängers in diesem schönen Land. Ein schönes Buch.
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