Edward Burne-Jones

Tipp

Edward Burne-Jones

Das irdische Paradies

 

Edward Burne-Jones. Das irdische Paradies, Hardcover, 232 Seiten, 274 Abb., davon 247 farbig, 29,80 Euro / 49 CHF, ISBN 978-3-7757-2516-3

Edward Burne-Jones. Das irdische Paradies. Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart, 24.10.2009 - 07.02.2010

Staatsgalerie Stuttgart

Edward Burne-Jones. Das irdische Paradies. Ausstellung im Kunstmuseum Bern, 19.03. - 25.07.2010

Kunstmuseum Bern, Schweiz

 

Die Staatsgalerie Stuttgart und das Kunstmuseum Bern zeigen die erste umfassende monographische Ausstellung des bedeutenden viktorianischen Malers Edward Burne-Jones (1833-98) in Deutschland und in der Schweiz.

Mythen, Sagen und Legenden werden lebendig in seinen Werken. Der Betrachter ist eingeladen, einzutauchen in eine stille Welt voller Schönheit und Harmonie, aber auch voller Schrecken und Gefahr. Die großen Erzählzyklen des Künstlers stehen im Fokus der Präsentation: Das Märchen von Dornröschen, die Sage von König Artus und den Rittern der Tafelrunde und der Mythos des Halbgottes Perseus, der die grauenvolle Gorgo Medusa enthauptete und die Königstochter Andromeda aus den Fängen eines Seeungeheuers befreite. Diese und andere Geschichten stellte Burne-Jones nicht nur in großformatigen Gemälden und Wandteppichen dar. Auch in Entwürfen für Glasfenster, Keramikplatten, Möbelstücke, Buchillustrationen und anderen plastischen oder textilen Arbeiten thematisierte er häufig solche literarische Vorlagen.

Der Titel der Ausstellung verweist auf eine der wichtigsten literarischen Quellen, welche Burne-Jones zu seinen fantastischen Gemälden inspirierte, auf William Morris’ Erfolgsbuch The Earthly Paradise (1868). Morris (1834 - 1896), den mit Burne-Jones sowohl Freundschaft als auch eine Schaffens- und Arbeitsgemeinschaft verband, erzählt darin altnordische, mittelalterliche und klassisch griechische Sagen und Legenden neu. Morris gilt heute vor allem als Vater des modernen Designs, als Wegbereiter der Ästhetik von Jugendstil und Bauhaus. Dabei war Morris nicht weniger als ein uomo universale des 19. Jahrhunderts, ein begnadeter Dichter, ein umfassend gebildeter Literaturwissenschaftler, Historiker, Maler und Architekt. Mit Burne-Jones, teilte er vor allem die romantische Begeisterung für Kunst, Literatur und Ästhetik des Hohen Mittelalters und der italienischen Renaissance. Die beiden Künstler verbindet der Wunsch, die Schönheit dieses Goldenen Zeitalters der europäischen Kultur in der eigenen, von der industriellen Revolution geprägten Lebenswirklichkeit wiedererstehen zu lassen. Ihr Streben nach einer moralischen Erneuerung der viktorianischen Gesellschaft spiegelt sich in ihren Werken wider. So mischen sich in Burne-Jones’ Kunst die faszinierende Welt der Antike voller Erotik, Tragik und Brutalität mit einem milden Licht einer andächtigen, von christlichen Idealen geprägten Sichtweise.

Der Begriff »earthly paradise« beschreibt zugleich, was Burne-Jones selbst wichtig war und was er den Betrachtern seiner Werke bieten wollte: Einen Blick ins Reich der Schönheit und Harmonie, gleichermaßen gespeist aus Antike, Mittelalter und Renaissance. Der Katalog weist darauf hin, dass Burne-Jones als Angehöriger des viktorianischen Zeitalters im Besonderen und als Mensch des 19. Jahrhunderts im Allgemeinen selbst ein Suchender war, "einerseits tief durchdrungen von engen christlichen Moralvorstellungen, andererseits fasziniert vom Zauber einer ästhetisch sublimierten Erotik. Es ist daher folgerichtig, dass die Protagonisten seiner Bilderzählungen auch Suchende sind, denen am Ende eines Prüfungsweges das irdische Paradies winkt". Burne-Jones war sich der visionären Kraft seiner Kunst bewusst und sah sich in einer Rolle, ähnlich einem Schamanen, der kraft seiner Selbstkenntnis und seines Wissens um alternative Realitäten in der Lage ist, seinen Mitmenschen den Zauber seiner Welt zu offenbaren. Burne-Jones nutzte seine Kunst, um einer Welt, die er als grau und industrialisiert empfand, die Lebenskraft der Schönheit zurückzugeben. Sein Weg führt ihn zusehends weg von der Sicherheit und Geborgenheit des romantischen Geschichts- und Kunstverständnisses und von der Möglichkeit, Form und Inhalt im überkommenen Sinn zur Deckung zu bringen. Während der lebensvolle Tatmensch Morris zeitlebens an seinem Ideal eines "bunten" Mittelalters festhielt, wurde Burne-Jones zusehends zu einem "Sucher des Inneren im Äußeren" (Wassily Kandinsky). Seine späten Artus- und Gralsbilder sind mystische Gleichnisse, deren inhaltliche Offenheit auf Bildstrategien des Symbolismus und Surrealismus voraus weist.

Den Ausgangspunkt der Exposition bildet der Perseus-Zyklus, dessen Ensemble aus acht Gemälden und Kartons 1971 aus amerikanischem Privatbesitz für die Staatsgalerie Stuttgart erworben werden konnte. Damit bildet die Staatsgalerie Stuttgart eine Ausnahme, denn in den kontinentalen Museen ist Burne-Jones kaum bekannt, wohingegen er in Großbritannien zu den populärsten Künstlern des 19. Jahrhunderts zählt. Seine Werke finden sich dort in nahezu allen öffentlichen Kunstsammlungen. Die von ihm entworfenen Glasfenster und Raumdekorationen schmücken zahlreiche Kirchen, öffentliche Gebäude und Privathäuser des Vereinigten Königreichs. Oft als Präraffaelit bezeichnet, ist Burne-Jones für die britische Kunstgeschichte ein "mid-Victorian". Nur durch seinen Lehrer und Freund Dante Gabriel Rossetti (1828-82) ist er mit der Pre-Raphaelite Brotherhood von 1848 verbunden. Rossetti, ein englischer Maler und Dichter, war einer der einflussreichsten Figuren der präraffaelitischen Kunstbewegung, die die sterile Akademiemalerei ihrer Zeit ablehnte und die Kunst des Mittelalters, also der Zeit vor Raffael verehrte, der sie in ihren Werken nacheiferte. Als großes Vorbild und Lehrer von Burne-Jones übte Rossetti auf dessen Kunst einen großen Einfluss aus.

In der Perseus-Folge blieben die dramatischen Szenen um die Auffindung und Tötung der Medusa unvollendet, dafür wurden stillere Episoden wie Perseus und die Graien („die Grauen“ - die drei Meeresgottheiten in der griechischen Mythologie, die Schwestern der Gorgonen, sie kamen schon grauhaarig auf die Welt und teilen sich zusammen einen Zahn und ein Auge, die sie sich gegenseitig bei Bedarf überlassen) und das zuerst vollendete Schreckenshaupt zur kunstvollen Choreographie und gedankentiefen Beziehungsallegorie ausgestaltet. Perseus ist eine der großen Heldengestalten der griechischen Mythologie. Er wächst auf der Insel Seriphos auf. Um seine Mutter zu schützen, verspricht er dem Herrscher der Insel, ihm das Haupt der Gorgone Medusa zu bringen.

Der reich bebilderte Katalog erweist sich als umfassende Darstellung des Werkes von Burne-Jones. Sein Konzept eines ästhetisierten, von Kunst geprägten Lebens-Raums steht im Mittelpunkt der Monografie. Neben seinen Erzählzyklen Perseus und Amor und Psyche oder St. Georg stellt der Band auch Teppichentwürfe, Glasfenster, Buchillustrationen, Möbelstücke und andere Arts-and-Crafts-Objekte als Teile seines Gesamtentwurfs vor.

 

Edgar Kitter

 

Edward Burne-Jones. Das Irdische Paradies

Hrsg. Kunstmuseum Bern, Staatsgalerie Stuttgart, Text von John Christian, Christofer Conrad, Matthias Frehner, Fabian Fröhlich, Vera Klewitz, Peter Nahum, Simon Oberholzer, William Waters, Katharina Wippermann, Annabel Zettel, Gestaltung von Cluss/Galli Kommunikationsdesign, Stuttgart

Hatje Cantz Verlag, 2009, 232 Seiten, 274 Abb., davon 247 farbig, 23,30 x 28,50 cm, gebunden mit Schutzumschlag, € 29,80,  CHF 49,00

ISBN 978-3-7757-2516-3

 

Ausstellungen:

Edward Burne-Jones. Das Irdische Paradies. Staatsgalerie Stuttgart, 24.10.2009 - 07.02.2010

Edward Burne-Jones. Das irdische Paradies. Kunstmuseum Bern, 19.03. - 25.07.2010

 

Katalog-Cover    © Hatje Cantz Verlag

 

Hatje Cantz Verlag
€ 29,80

Shops:

© 2010 Edgar Kitter