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BotticelliBildnis, Mythos, Andacht
Botticelli. Ausstellung im Städel Museum in Frankfurt am Main Aus den heiligen Hallen der Uffizien in Florenz hat es Botticellis Minerva mit dem Kentaur in das Städel Museum nach Frankfurt am Main geschafft. Die mit Myrtenzweigen umrankte Frauengestalt Minerva, die auch auf dem Cover des Ausstellungskataloges abgebildet ist, bändigt das Mischwesen mit abwegig schwachem Griff in das Haar des Pferdemenschen, wobei ihre Mimik trauernd, ihr Blick gedankenverloren wirkt. Die Zähmung gleicht eher einer eleganten Dressur. Der Stoff des leichten Gewandes der Gottheit ist mit ineinander geschlungenen Diamantringen verziert - heraldisches Zeichen der Medici, der einflussreichsten Familie im Florenz des 15. und 16. Jahrhunderts. So führt die Göttin der Weisheit und Klugheit den als lüstern geltenden Kentaur aus seinen Fesseln der Sinnlichkeit zu einer rationalen Natur empor. Die Minerva mit dem Kentaur ist neben der berühmten Geburt der Venus, ein Gemälde, das die Uffizien freilich nicht verlassen konnte, eines der herausragenden Werke Botticellis aus seiner Werkgruppe der mythologischen Allegorien. Der Kurator der Botticelli-Ausstellung im Frankfurter Städel Andreas Schumacher charakterisiert in seiner umfassenden Einführung für den Ausstellungskatalog diese bedeutende Werkgruppe: "Im Auftrag der Medici schuf Botticelli harmonische Götter- und Naturwelten in denen melancholische Idealschönheiten nicht zuletzt begünstigt durch ihre Vereinzelung große sinnliche Präsenz entwickeln...Paradoxer Weise stützt die Unnahbarkeit der Figuren, die von ihnen ausgehende erotische Faszination." Nahezu 500 Jahre nach dem Tode des Florentiner Künstlers Sandro Botticelli (1442/45-1510), präsentiert das Städel Museum in Frankfurt am Main in einer monografischen Ausstellung erstmals im deutschsprachigen Raum den großen Meister der italienischen Renaissance. Die anmutige Schönheit seiner Frauengestalten, die humanistische Prägung und höfische Festlichkeit seiner Malerei machen die Werke Botticellis zum Inbegriff der Florentiner Kunst im Goldenen Zeitalter der Medici-Herrschaft unter Lorenzo il Magnifico. Dem Städel ist es gelungen für diese Schau hochkarätige Leihgaben aus aller Welt zusammenzutragen. Die Exposition umreißt mit ca. 80 Werken das gesamte Œuvre des Malers und Zeichners, Arbeiten seiner Künstlerkollegen werden seinen Werken gegenübergestellt und die kulturellen wie politischen Hintergründe seines Wirkens beleuchtet. So sind neben Arbeiten Botticellis und seiner Werkstatt u.a. Schöpfungen von Filippino Lippi und Andrea del Verocchio zu sehen. Die prägende Geistesbewegung der Renaissance ist der Humanismus, Neuerungen und Entdeckungen prägen die Epoche. Für die Kunst ist die Wiederentdeckung der Zentralperspektive, mit deren Hilfe ein illusionistischer dreidimensionaler Bildraum geschaffen werden kann, von Bedeutung. Die Künstler studieren intensiv die Formensprache antiker Kunst. So will auch Botticelli an den herausragenden Werken der antiken Malerei gemessen werden. Doch dabei sind für ihn nicht die typischen Renaissancecharakteristika maßgebend. Die Gesetze der Perspektive ignoriert er und missachtet den Trend zur möglichst naturalistischen Körperdarstellung. Vielmehr entwickelt er einen Individualstil, dessen dominantes Merkmal ein elegantes Liniensystem ist, dass von den deutlichen dunklen Konturen getragen wird. Die Bildfiguren präsentiert er betont vordergründig, stellt sie mit gelängten biegsamen Gliedmaßen dar und zeigt ein ausgeprägtes Interesse an ornamentaler Eleganz. Botticelli war als Tafel- und Freskenmaler geschätzt und erlangte höchstes Ansehen auch über die Toskana hinaus. So gehörte er zum Kreis der Maler, die Papst Sixtus IV im Jahr 1481 zur Ausstattung der sixtinischen Kapelle nach Rom bestellte. Die Ausstellung und der prachtvolle Katalogband laden ein, zu einer Reise durch den künstlerischen Kosmos eines der berühmtesten Maler und Zeichner der Renaissance. Bildnis, Mythos, Andacht - der Untertitel der Exposition weist auf die Sujets der künstlerischen Tätigkeit Botticellis hin, in die sich die ausgestellten Werke aufteilen. Ein Schwerpunkt gilt Botticellis meisterhaften Porträts, die den Kreis seiner Auftraggeber lebendig werden lassen. Für deren Paläste schuf er im Wettstreit mit der Antike große mythologische Gemälde und kostbare Andachtsbilder. Neben verschiedenen Madonnen sind vier Tafeln zum Leben des Hl. Zenobius erstmals wieder zusammen ausgestellt. Neben der bereits erwähnten Einführung widmet sich ein Essay im Katalogbuch Simonetta Vespucci, der Florentiner Schönheit, die von Giuliano de’ Medici verehrt wurde und vielfach in Botticellis Idealbildnis einer jungen Dame gesehen wird. Weitere Beiträge betrachten die mythologischen Allegorien des Künstlers, seine Zeichnungen und das Florenz zur Zeit Botticellis. Alle ausgestellten Werke sind kommentiert. Die Publikation führt eindrucksvoll vor Augen, welch wesentliche Impulse Botticelli der Florentiner Kunst zu geben vermochte und spürt darüber hinaus dem Ideal weiblicher Schönheit nach, das seine bezaubernden Göttinnen und Madonnen ebenso verkörpern wie das idealisierte Bildnis einer unbekannten Dame.
Edgar Kitter
Botticelli. Bildnis, Mythos, AndachtHrsg. Andreas Schumacher, Text von Cristina Acidini Luchinat, Gabriel Dette, Bastian Eclercy, Hans Körner, Lorenza Melli, Ulrich Rehm, Volker Reinhardt, Anna Rühl, Andreas Schumacher Hatje Cantz Verlag, Deutsch, 2009, 372 Seiten, 294 farbige Abb., 25,40 x 31,10 cm, gebunden mit Schutzumschlag, € 49,80, CHF 88,00 ISBN 978-3-7757-2480-7
Ausstellung: Botticelli. Ausstellung im Städel Museum in Frankfurt am Main, 13.11.2009 - 28.02.2009 |
Katalog-Cover © Hatje Cantz Verlag |
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